Internationaler Tag gegen Homophobie 17. Mai 2010:
Berlins 4. MANEO Kuss-Marathon
Protect Every Kiss – Berlin küsst für mehr Toleranz
Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie ruft das
schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO zum 4. Kuss-Marathon auf.
Die diesjährige Aktion „protect erery kiss“ findet statt am
17. Mai 2010, 12.30 Uhr
gegenüber der Botschaft der Republik Uganda
Axel-Springer-Str. 54a
10117 Berlin
Ökumenische Andacht
Sonntag, 16. Mai, 19.00 Uhr, Ökumenisches Gebet für
Toleranz und gegen Homophobie, Zwölf-Apostel-Kirche,
Schöneberg.
Chill-out
17.05.2010, 20:00 Uhr, Mann-O-Meter
Mit der öffentlichen Kuss-Aktion gegenüber der ugandischen Botschaft soll friedlich gegen das
„Anti-Homosexualitäts-Gesetz“ protestiert werden, das dem ugandischen Parlament momentan
zur Verhandlung vorliegt. Der Gesetzesentwurf sieht lange Freiheitsstrafen und in manchen Fällen
die Todesstrafe für homosexuelle Beziehungen vor. Zudem sind Menschenrechtsaktivisten in
Uganda von langen Haftstrafen bedroht, wenn sie über Homosexualität aufklären oder die Anliegen
homosexueller Menschen unterstützen. Erschreckend ist außerdem, dass die homophobe
Stimmung maßgeblich von religiösen Gruppen aus den USA und deren Missionaren vor Ort befeuert
wird (
Deutsche Welle Online, Artikel vom 30.04.2010 ), wie verschiedene Medien schon Ende 2009 berichteten.
„Solidarität zeigen, Zeichen setzen“
„Mit unserem Kuss wollen wir ein friedliches Zeichen gegen Homophobie setzen. Mit der Demonstration
gegen das ugandische Gesetzesvorhaben erinnern wir nicht nur an die Opfer homophober
Gewalt weltweit, sondern ebenfalls daran, dass Homophobie auch in Deutschland
noch zum Alltag gehört“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke. „Der 17. Mai ist der Internationale
Tag gegen Homophobie. An diesem Tag mahnen wir den Kampf gegen Ausgrenzung, Diskriminierung
und Gewalt gegen Homosexuelle in unserer Gesellschaft, in Europa und der Welt an.“
„Schwule Sau!“ ist Schimpfwort Nr.1
Auch wenn sich das politische Engagement der letzten Jahrzehnte in Deutschland bisher gelohnt
hat und queeres Leben zunehmend akzeptierter geworden ist, so gehören Gewalt und Anfeindungen
nach wie vor zur Erfahrung vieler Schwulen und Lesben. Ihre stärkere Sichtbarkeit in der
Öffentlichkeit empfinden viele Menschen als Provokation. „Es reicht, wenn sie Hand in Hand die
Straße entlang gehen oder einander einen Kuss geben. Immer wieder wird hierauf mit Anfeindungen,
Aggressionen und manchmal unmittelbarer körperlicher Gewalt reagiert. Das geschieht
täglich – nicht nur hier in Berlin, sondern auch im Rest des Landes“, berichtet Bastian Finke aus
der Opferhilfearbeit von MANEO.
Homophobie ist global – aber nicht international salonfähig
Der Blick in andere Länder gibt Anlass zur Sorge. In den vergangenen Monaten hat insbesondere
eine ugandische Gesetzesinitiative Schlagzeilen gemacht. Der Entwurf der „Anti Homosexuality
Bill“ sieht die Todesstrafe und langen Freiheitsentzug für Homosexuelle und sie unterstützende
Menschenrechtsorganisationen vor. Freiwillige gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Erwachsenen
sollen mit lebenslanger Haft sanktioniert werden.
Erst die harte, ablehnende internationale Reaktion hat Ugandas Präsidenten dazu bewogen, sich
gegen eine Verabschiedung des Gesetzes auszusprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die
homophobe Atmosphäre in Uganda jedoch bereits drastisch verschärft.
Uganda ist nur ein trauriges Beispiel von vielen. Allein auf dem afrikanischen Kontinent steht Homosexualität
in 37 der 53 Staaten unter Strafe. Das Problem ist jedoch nicht auf Afrika beschränkt.
So wurden die homophoben ugandischen Gesetzesinitativen beispielsweise
maßgeblich von amerikanischen Evangelikalen angestoßen. Ihre Lehren haben auch in Europa
Anhänger.
„Homophobie geht uns alle an!“
Bastian Finke: „Homophobie ist nicht auf dem Rückmarsch.
Das geht uns alle an. Wachsamkeit und vor
allem gelebte Solidarität sind gefragt!
Deshalb treffen wir uns am Internationalen Tag gegen
Homophobie gegenüber der ugandischen Botschaft in
Berlin. Wir tragen den Kuss – der ja für Liebe steht – in
die Öffentlichkeit, um uns öffentlich gegen Homophobie
zu stellen, in Uganda und allen anderen Ländern der
Welt. Die Demonstration vor der ugandischen Botschaft
ist ein friedliches Symbol für unsere Solidarität mit den
Opfern von Homophobie und homophober Gewalt.“
Weitere Infos:
www.maneo.de,
www.tag-gegen-homophobie.de
MANEO auf Facebook
hier zu Hintergrundinformationen zur “Anti-Homosexuality Bill“ in Uganda
Deutsche Welle, 27.04.2010
US-Missionare schüren Schwulenhass in Afrika. Uganda droht Homosexuellen mit der Todesstrafe, auch anderswo in Afrika ist Homophobie auf dem Vormarsch – mit Unterstützung durch evangelikale Gruppen aus den USA. Von Sven Töniges.
www.dw-world.de/dw/article/0,,5510065,00.html
Berliner Zeitung, 03.03.2010
Die Plage aus dem Westen. Schwulenfeindlichkeit ist in Afrika sehr verbreitet. Viele Länder verschärfen Gesetze - bis zur Todesstrafe für Homosexuelle. Von Johannes Dietrich.
www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0303/horizonte/0002/index.html
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2010
"Mein Vater würde mich erschlagen". In Uganda werden Homosexuelle verfolgt, nun droht ihnen sogar die Todesstrafe. Von Arne Perras.
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/498783
Der Tagesspiegel, 19.02.2010
Porträt: David Bahati, Abgeordneter in Uganda: "Homosexualität ist kein Menschenrecht"
www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/homosexualitaet-ist-kein-menschenrecht/1686174.html
Die tageszeitung, 18.02.2010
"Obama, zur Hölle!" Uganda. Der Streit über Homosexualität eskaliert, afrikanische und amerikanische konservative machen gemeinsam mobil. Ein Großaufmarsch wurde kurzfristig abgesagt. Aus Kampala Simone Schlindwein.
www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/obama-zur-hoelle/
Siehe auch :
amnesty international:
www.amnesty.de/laenderbericht/uganda
MERSI von Amesty International:
www.mersi-amnesty.de/uploadfiles/9_48_MeRSI-RB-11-06online.pdf
die Grünen:
www.gruene-bundestag.de/cms/menschenrechte/dok/329/329560.html
hib/Deutscher Bundestag:
www.bundestag.de/presse/hib/2010_04/2010_118/02.html
Hintergrundinformationen zur “Anti-Homosexuality Bill“ in Uganda
Am 14. Oktober wurde der Entwurf einer „Anti-Homosexuality Bill“ ins ugandische Parlament eingebracht. Die Initiative des Parlamentariers David Bahati hätte bei Verabschiedung eine drastische Verschärfung der Unterdrückung und Bestrafung von gleichgeschlechtlichen sexuellen Aktivitäten zur Folge. Zudem stünde Aufklärungs- und Beratungsarbeit unter Strafe. Dies beträfe insbesondere in Uganda aktive Nichtregierungsorganisationen.
Der Gesetzesentwurf enthält unter anderem folgende Bestimmungen:
- der gesetzlichen Ursprungsfassung nach soll Homosexualität bei „erschwerenden Umständen“ mit dem Tode bestraft werden. Dieser Passus betrifft in erster Linie mehrmals auffällig gewordene Homosexuelle, gleichgeschlechtliche Beziehungen mit Minderjährigen, Behinderten und HIV-Positiven. Inzwischen hat das ugandische Kabinett die Strafandrohung auf lebenslängliche Haftstrafe reduziert;
- für sonstige gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivitäten droht lebenslange Haftstrafe. Zudem wird jeder mit bis zu sieben Jahre Haft bedroht, der diese Aktivitäten ermöglicht (z.B. Hotelbesitzer o.ä.);
- Bürger, die die Identität von Homosexuellen und sie unterstützenden Nichtregierungsorganisationen nicht den staatlichen Autoritäten melden, werden bis zu drei Jahre Gefängnis bestraft;
- HIV-positiven homosexuelle Menschen wird die medizinische Behandlung verweigert.
Homosexualität ist in Uganda bereits heute strafbar. Die derzeitige Gesetzgebung sieht bis zu 14 Jahre Haft für gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivitäten vor. In der ugandischen Gesellschaft finden homophobe Äußerungen breiten, positiven Widerhall. Die ugandische Gesetzesinitiative trifft also auf fruchtbaren Boden. Die ohnehin schlechte Lage von ugandischen Homosexuellen verschärft sich somit nochmals drastisch.
Die ugandische Gesetzesinitiative ist offensichtlich stark durch US-amerikanische Evangelikale geprägt. Nach Berichten der New York Times geht die inhaltliche Radikalisierung der letzten Monate auf einen Besuch dreier evangelikaler Leitfiguren in Kampala im März 2009 zurück. Nach ihrer Auffassung ist Homosexualität heilbar und eng mit Pädophilie verbunden. Uganda war während der Regierung George W. Bushs eines der Hauptziele „wertgeleiteter“ Außenpolitik und hat zahlreiche Programminhalte der christlichen Rechten rezipiert und implementiert, insbesondere im Bereich der Erziehungs- und Präventionspolitik.
Der Initiator des Gesetzesentwurfs, David Bahati, ist Mitglied der regierenden „Nationalen Widerstandsbewegung/National Resistance Movement“ (NRM). Präsident Yoweni Museveni ließ erst nach massivem internationalen Protest erkennen, dass er die Gesetzesinitiative nicht unterstützen wolle. Unter anderem sprach sich US-Präsident Barack Obama öffentlich gegen das Gesetzesvorlagen aus. Mehrere Länder – darunter auch die Bundesrepublik Deutschland – drohten mit einem Einfrieren der Entwicklungshilfe, sollte das Anti-Homosexualitäts Gesetz in Kraft treten.
Nach Berichten der ugandischen Zeitung „Daily Monitor“ vom 22. April 2010 hat eine Kabinettskommission eine Verabschiedung des Gesetzesentwurfs bis auf weiteres vertagt. Dies wird jedoch nicht mit den Inhalten des Gesetzes begründet, sondern mit den Protesten der internationalen Gemeinschaft. Im parlamentarisch zuständigen ‚Legal and Parliamentary Affairs Committee’ steht eine Terminierung zur Verhandlung des Gesetzesentwurfs somit weiterhin aus.
Quellen: Deutsches Konsulat Kampala, Amnesty International, New York Times, Berliner Zeitung, Süddeutsche Zeitung, die Tageszeitung, Der Spiegel